Theologie trifft ... Naturwissenschaft

"Wissenschaft und Religion, die sich von unterschiedlichen Ansätzen aus der Realität nähern, [können] in einen intensiven und für beide Teile produktiven Dialog treten." (Papst Franziskus, Laudato si´ 62)

Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse seit Niederschrift der Bibel stellen Christen vor eine Herausforderung: Wie ist beides miteinander zu vereinbaren? Extrempositionen sind die Ablehnung naturwissenschaftlicher Theorien oder die Ablehnung von Glaube. Diese Veranstaltungsreihe soll helfen, einen anderen Weg zu finden. Wir bringen Naturwissenschaftler und Theologen ins Gespräch über die Aussagen ihrer jeweiligen Disziplinen zu verschiedenen, sich zunächst möglicherweise widersprechenden Themenbereichen. Nach ersten Themenabenden zum scheinbaren Widerspruch von Bibel und Naturwissenschaft führen wir die Reihe mit Themen fort, die sich durch technische und gesellschaftliche Entwicklungen neu stellen und denen wir uns sowohl von der rein naturwissenschaftlichen wie von der ethisch-religiösen Seite her nähern.

Mann oder Frau? Oder was?

Mit dem Gesetz zur gleichgeschlecht-lichen Ehe, vor allem aber mit dem Urteil zum Dritten Geschlecht, ist 2017 das Thema Geschlechtsidentität in Deuschland erneut in den Blick der Öffentlichkeit gerückt. Die Phänomene selbst sind nicht neu, werden allerdings neu beurteilt. Was ist dabei Grundlage von Norm und Normalität? Was ist naturwissenschaftliche Feststellung oder möglicherweise auch Erklä­rung, was Deutung oder (moralisches) Urteil? Insbesondere für Christinnen und Christen ist zudem von Interesse, wie sich die Bibel und die Kirche als Institution zu den genannten Themen äußern.

Referenten:
Dr. Adsadeh Ansari-Bodewein, Lehrstuhl Philosophie der Theologischen Fakultät Trier
Dr. Detlef Müller-Greis, Biologe  

Siri, Saugroboter, Superintelligenzen - Segen und Fluch der technischen Entwicklung

Wir leben in einem Zeitalter, in dem die informationstechnische Entwicklung rasant voranschreitet. Spracherkennungssysteme, Smartphones, die zum unentbehrlichen Alltagsbegleiter werden, Arbeiten, für die einst menschliche Hände und Köpfe gebraucht wurden, werden inzwischen von Robotern erledigt. Informatiker programmieren Computer, deren Fähigkeiten die der menschlichen Intelligenz um ein Vielfaches übersteigen. Eine Entwicklung, die Fragen aufwirft nach den Chancen aber auch den Gefahren.
Was unterscheidet noch Mensch und Maschine? Wie verändert sich das Bild vom Menschen und dem Sinn des Lebens? Welche Regeln brauchen wir, damit die Digitalisierung nicht ihre Kinder frisst?
Referenten:
Dr. Adsadeh Ansari-Bodewein, Lehrstuhl Philosophie der Theologischen Fakultät Trier
Prof. Dr. Karl Hans Bläsius, Prof. em. Hochschule Trier

Lesetipp zu diesem Thema:

Andrian Kreye: Macht Euch die Maschinen untertan. Vom Umgang mit künstlicher Intelligenz, Süddeutsche Zeitung Edition, ISBN 978-3-86497-499-1

Wissen um den Tod und Hoffen auf ein Jenseits

Dass mit dem Tod nicht alles aus ist, sondern dass es ein Weiterleben nach dem
irdischen Leben als ein ewiges Leben gibt, gehört zum Wesenskern des christlichen
Glaubens. In einer Welt, in der die Naturwissenschaften die Aufgaben von
Leitdisziplinen für die Gesellschaft übernommen haben, ist dieser Glaube an
Weiterleben nach dem irdischen Leben ins Wanken geraten. Viele Menschen
zweifeln diese zentrale Aussage des Christentums an. Was dürfen wir überhaupt
aus Sicht der Theologie hoffen für den Zeitpunkt unseres Sterbens und danach?
Wenn wir vom Vorgang des Sterbens reden, so sprechen wir aus medizinischer
Sicht vom Sterbeprozess. Dieser ist kein punktuelles Ereignis, sondern kann sich
über einen längeren Zeitraum ziehen. Dem gegenüber gibt es natürlich den
Begriff des Todeszeitpunkts, der formal festgelegt werden muss und wird. Was
kann uns die Medizin derzeit über den Tod und die Veränderungen im Verlauf
des Sterbeprozesses sagen? Und was bedeutet dieses Wissen für unser Leben
und für unsere Entscheidungen, beispielsweise zum Thema Organspende?


Referenten:
Sabine Weykam-Mahlberg, Oberärztin im Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier
Prof. Martin Lörsch, Theologische Fakultät Trier

Zum Verhältnis von Naturwissenschaft und Theologie

Wollen wir uns nicht mit einem bloßen Nebeneinander oder gar Gegeneinander
von Naturwissenschaft und Theologie abfinden, dann müssen wir uns
fragen, wie ein konstruktives Verhältnis von beiden und eine gemeinsame
Gesprächsbasis aussehen könnten. Wie sollen wir vorgehen? Der berühmte
Physiker Hans-Peter Dürr zeigt uns einen möglichen Weg, wenn er schreibt,
dass „auch die Wissenschaft nur in Gleichnissen spricht“. Es ist schwierig,
gleich bei speziellen Ergebnissen oder Theorien beider Seiten einzusteigen.
Aussichtsreicher ist es, bei der Sprache und der Weltdeutung einzusetzen,
um dann weiter zu gehen zu den Denkvoraussetzungen und Erkenntnismethoden.
Je gründlicher sich dabei die Theologie von den Naturwissenschaften
in Frage stellen lässt, je radikaler aber auch die Theologie die Ansätze der
Naturwissenschaften hinterfragt, desto mehr steigen die Chancen für eine
gemeinsame Vertiefung des Wirklichkeitsverständnisses, aber auch für ein
kooperatives Engagement zur Sicherung der Zukunft von Mensch und Natur.
Nur müssen wir dies auch wollen.

Referent:
Dr. Kuno Füssel, Theologe und Mathematiker in einer Person
Lehrer für Mathematik, Physik und Katholische Theologie a.D.

Lesetipps zum Thema:

Barbara Drossel: Und Augustinus traute dem Verstand. Warum Naturwissenschaft und Glaube keine Gegensätze sind. 2013, Brunnen Verlag Gießen, ISBN 978-3-7655-2007-5

Herder Korrespondenz Spezial 2008: Getrennte Welten? Der Glaube und die Naturwissenschaften, ISBN: 978-3-451-02706-2, ISBN: 978-3-451-02790-1 (PDF)

Anselm Grün und Michael Grün: Zwei Seiten einer Medaillie. Gott und die Quantenphysik, 2015, Vier-Türme-Verlag, ISBN 978-3-89680-954-4

Was wir Liebe nennen

Beziehungen und Liebe sind zentrale Themen unseres Lebens. Deshalb ist Liebe auch ein wichtiges Thema für viele Wissenschaftler. In diesem Teil der Veranstaltungsreihe „Theologie trifft Naturwissenschaft“ beschäftigen wir uns damit, was jeweils ein Naturwissenschaftler und ein Theologe unter Liebe verstehen.

Wenn der jüdisch-christliche Glaube von Liebe spricht, bezieht er sich häufig auf den Zusammenhang zwischen Gottes-, Menschen- und Nächstenliebe. Was aber bedeutet und beinhaltet dieses „Lieben“ eigentlich? Ist Liebe nur ein gutes Gefühl oder ist Liebe eine Leidenschaft, die „Leiden schafft“? Und schließlich: Kann/muss man Liebe lernen?

Wenn sich die Naturwissenschaft mit der Liebe beschäftigt, dann geht es vornehmlich um beobachtbare Vorgänge und Prozesse im Körper. Was passiert dort, wenn wir uns verlieben? Was bedeutet es für uns, von diesen Vorgängen zu wissen? Gibt es aus naturwissenschaftlicher Sicht Menschen, die „füreinander geschaffen“ sind?


Referenten:
Prof. Dr. Johannes Brantl, Theologische Fakultät Uni Trier
Prof. Dr. Jobst Meyer, Forschungsbereich Psychobiologie Uni Trier

Was wissen und was glauben wir? Gespräch zum Wahrheitsbegriff in Naturwissenschaft und Theologie

„Das ist das Los der Menschheit, dass die Wahrheit keiner hat. Sie haben sie alle, aber verteilt, und wer nur bei einem lernt, der vernimmt nie, was die anderen wissen.“
Johann Heinrich Pestalozzi

Was ist eigentlich wahr? Das, was die Naturwissenschaften uns erklären oder das, was in der Bibel steht? Mit dieser Frage haben sich bereits drei Veranstaltungen der Reihe „Theologie trifft Naturwissenschaft“ anhand konkreter Themen wie Entstehung der Erde oder Evolution beschäftigt. In diesem vierten Teil der Veranstaltungsreihe (zu dem auch jede und jeder eingeladen ist, der die vorherigen Termine versäumt hat) soll uns die Frage beschäftigen, was wir unter Wahrheit, Wirklichkeit und Wissen überhaupt verstehen können. Wovon sprechen die NaturWISSENschaften und wovon die Theologie? Gibt es so etwas wie eine absolute oder objektive Wahrheit? Und wenn ja, wie können wir sie erkennen?

Referenten:
Dr. Johann Collignon, Physiker
Dr. Asadeh Ansari, Theologische Fakultät Uni Trier

Neurobiologische und theologische Sicht: Wer oder was macht den Mensch zum Menschen?

„Vom Ausmaß der Durchblutung auf komplexe Leistungen zu schließen, ist um fünf Ecken gedacht.“
Bärbel Hüsing

Technische Errungenschaften haben auch in der Hirnforschung zu Erkenntnissen geführt, die die Frage nach Gott erneut in die Diskussion gebracht haben. Die Gehirnregionen konnten identifiziert werden, die bei spirituellen Ereignissen aktiv sind. Ist Gott folglich ein Hirngespinst, ein Ergebnis biochemischer Prozesse in unseren Köpfen, also letztlich von uns, von der Materie in unseren Köpfen geschaffen? Oder hat doch Gott uns geschaffen, ist in uns eine Seele, die zwar nicht unabhängig vom Körper aber durch rein körperliche Funktionen auch nicht ausreichend erklärbar ist? Wie passen theologische Überlegungen über die Einmaligkeit eines von Gott gewollten und geliebten Menschen zusam-men mit der naturwissenschaftlichen Vorstellung eines von Neuronen und biochemischen Prozessen gesteuerten Menschen?

Referenten:
Prof. Dr. Johannes Brantl, Theologische Fakultät Uni Trier
Prof. Dr. Jobst Meyer, Forschungsbereich Psychobiologie Uni Trier

Hör- und Lesetipp zu diesem Thema:

Gott im Kopf - Die Neurobiologie spiritueller Erfahrungen, SWR2 Wissen

Evolution und Schöpfungsgeschichte: Was sie uns über die Menschwerdung sagen können

Wo kommen wir Menschen eigentlich her? Diese Frage haben sich Menschen vermutlich gestellt, seit es sie gibt. Zwei unterschiedliche Antworten bekommen wir von Biologie und Theologie. Die Biologen erklären uns die Evolutionstheorie und belegen sie mit zahlreichen naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen. Die Theologen erzählen uns die Schöpfungsgeschichte, die zunächst einmal, wörtlich verstanden, mit der Evolution unvereinbar scheint. Müssen wir uns entscheiden, ob wir das eine oder das andere für richtig halten? Oder können wir beide Antworten sinnvoll zusammen verstehen? Können wir die Bibel anders lesen, so dass sie uns etwas vom Sinn des Daseins erzählt?

Referenten:
Dr. Bernhard Lehnart, Theologe
Dr. Detlef Müller-Greis, Biologe

Urknall oder Gottes Wirken? Was sagen uns Kosmologie und Bibel zum Ursprung der Welt

„Die Erschaffung der Welt hat nicht ein für allemal stattgefunden, sie findet unabwendbar alle Tage wieder statt.“
Marcel Proust

Das Gottesteilchen scheint tatsächlich gefunden zu sein! Die Quantenphysik erklärt uns wissenschaftlich und immer genauer, wie es vom Urknall zur Entstehung des Universums und der Erde gekommen ist. Ist die Schöpfungserzählung damit falsch und überflüssig? Sind alle Fragen umfassend beantwortet? Was war vor dem Urknall? Kann man beides zusammen sehen?


Referenten:
Dr. Johann Collignon, Physiker
Dr. Bernhard Lehnart, Theologe

Lesetipp zu diesem Thema:

Johannes Röser: Astrophysik und Gottesglaube: Viele Universen, viel dunkle Materie - Sind wir allein?, in: Christ in der Gegenwart 47/2018